Kategorie: Gedanken zum Monat

Gedanken zum Monat Tevet von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er ist als Jahrestag bezogen auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Häufig wird die Frage gestellt: Wie konnte ein guter Gott all das zulassen?
Viele ultraorthodoxe Juden behaupten, dass die Shoa als Strafe Gottes zu sehen ist. Diese Aussage lehne ich ab. Gott hat den Menschen die Freiheit gegeben Gutes und Böses zu tun, das bedeutet aber leider auch die Freiheit, schreckliche Dinge zu tun, auch ganz schlimme Verbrechen zu begehen. Der jüdische Philosoph und Rabbiner Elieser Berkovits sagte: Nicht die Frage entscheidend: ‚Wo war Gott?‘, sondern: ‚Wo war der Mensch?“ Martin Buber sprach eher von Gottesfinsternis.

Gedanken zum Monat Tischri von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Wir denken häufig so:
Wir waren an Rosch Ha’schana und Jom Kippur in der Synagoge, wir haben unsere Umkehr und unsere Solidarität gezeigt, dann wird alles gut sein.

Im Babylonischen Talmud lesen wir aber, Rabbi Eliezer sagte: „Tue Buße einen Tag vor deinem Tode. Die Schüler sprachen zu ihm: Weiß denn der Mensch, an welchem Tage er sterben wird? Dieser erwiderte: Umso mehr muss er es heute tun, vielleicht stirbt er morgen; es ergibt sich also, dass er alle seine Tage in Buße verbringt.“

Solidarität mit unserer jüdischen Gemeinschaft in Hannover und in der Welt können wir also jeden Tag zeigen!

Rabbiner Dr. Gábor Lengyel zum Monat Elul

„Sochrenu l’chajim, melech chafez ba-chajim, w‘chotwenu b’ssefer ha-chajim, l’ma’ancha elohim chajim“

„Denke an uns, damit wir leben. Gott, du liebst das Leben! Schreibe uns in das Buch des Lebens und deines Namens willen, lebendiger Gott!“

Wie innig und vielleicht mit Tränen in den Augen singen wir diese Verse an den Jamim Noraiim, an den Hohen Feiertagen. Der österreichische Psychologe, Viktor Emil Frankl, der Auschwitz und Buchenwald überlebte, schrieb bereits 1946 ein Buch mit dem Titel: „Trotzdem Ja zum Leben sagen“.

Er schrieb unter anderem: „Was hier Not tut, ist eine Wendung in der ganzen Fragestellung nach dem Sinn des Lebens. Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: Was das Leben von uns erwartet!“

Ich wünsche Euch allen Schana Towa, gute Gesundheit und ein süßes Neues Jahr 5778!